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Photovoltaik-Einspeisegebühr: Wen die geplante Netzgebühr wirklich trifft

Photovoltaik-Einspeisegebühr: Wen die geplante Netzgebühr wirklich trifft - dezentralo

Die Bundesnetzagentur will ab 2029 erstmals auch private Einspeiser an den Netzkosten beteiligen. Im Reformverfahren AgNes steht für Eigenheimbesitzer eine Pauschale von rund 100 Euro pro Jahr im Raum. AgNes steht für Allgemeine Netzentgeltsystematik Strom, die Reform, mit der die Bundesnetzagentur die Stromnetzentgelte ab 2029 grundlegend neu ordnet. Wir haben das gesamte Marktstammdatenregister ausgewertet, um zu zeigen, wen das wirklich trifft.

Das Ergebnis ist eine klare Schieflage. Millionen kleine Dächer sollen pauschal zahlen, während wenige große Anlagen den Großteil der Leistung stellen. Diese Übersicht zeigt die Zahlen, die Kosten und eine Alternative, die schon beschlossen ist.

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Wie viele Eigenheime trifft die geplante Einspeisegebühr?

Von der geplanten Einspeisegebühr wären rund 3.355.547 private Solardächer betroffen, also Dachanlagen bis 30 Kilowatt, die ihren Überschuss ins Netz einspeisen. Das sind die Anlagen typischer Eigenheime, im Schnitt 9,93 Kilowatt groß. Genau diese Haushalte hat die Energiewende der letzten Jahre aufs Dach geholt.

Besonders hart trifft es die Haushalte ohne Speicher. Rund 1,14 Millionen der betroffenen Anlagen haben keine Batterie und speisen jede ungenutzte Kilowattstunde ins Netz, während 62,4 Prozent immerhin einen Speicher besitzen. Wie stark eine Gebühr wirkt, hängt also auch davon ab, wie viel ein Haushalt überhaupt einspeist.

Der Zeitpunkt der Debatte ist heikel, denn die Zahl dieser Anlagen explodierte genau in den Förderjahren. 2023 kamen 780.863 betroffene Dächer hinzu, rechnerisch alle 40 Sekunden eines. Dieselben Haushalte, die der Staat in die Solaranlage geholt hat, sollen jetzt eine Gebühr zahlen.

Neu in Betrieb genommene betroffene Anlagen pro Jahr (Dachanlagen bis 30 kWp, Teileinspeisung)
780.863 2015 2016 2017 2018 2019 2020 2021 2022 2023 2024 2025* * 2025 kann durch spätere Registrierungen noch leicht steigen
Quelle: Marktstammdatenregister der Bundesnetzagentur, Stand April 2026. Auswertung: dezentralo.

Wer speist eigentlich die meiste Leistung ein?

Die meiste Leistung speisen wenige große Anlagen ein, nicht die vielen kleinen Dächer. Von 121 Gigawatt installierter Solarleistung in Deutschland entfallen 62,3 Prozent auf nur 4,9 Prozent der Anlagen, nämlich die großen über 30 Kilowatt. Die Masse der Eigenheime macht zwar die Anzahl, aber nur einen kleineren Teil der Leistung aus.

Am deutlichsten zeigt sich das bei den Solarparks. Allein 21.851 Freiflächenanlagen, also 0,4 Prozent aller Anlagen, stellen rund ein Drittel der gesamten Solarleistung. Die 95,1 Prozent kleinen Dächer bis 30 Kilowatt kommen zusammen dagegen nur auf 37,7 Prozent. Eine Pauschale trifft damit ausgerechnet die, die am wenigsten einspeisen.

Anteil an der Anzahl gegen Anteil an der Leistung
Anzahl Klein ≤30 kWp · 95,1 % Leistung 37,7 % 27,8 % 34,5 % Privat ≤30 kWp Gewerbe >30 kWp Solarparks
Solarparks sind ein Teil der großen Anlagen, nicht zusätzlich. Quelle: Marktstammdatenregister, Stand April 2026.

Wie viele Anlagen sind in meinem Bundesland betroffen?

Die meisten betroffenen Anlagen stehen in Bayern, Nordrhein-Westfalen und Baden-Württemberg. Die folgende Übersicht zeigt, wie viele private Solardächer eine Einspeisegebühr in jedem Bundesland treffen würde. Sie macht die bundesweite Zahl vor Ort greifbar.

Rang Bundesland Betroffene Anlagen
1 Bayern 752.229
2 Nordrhein-Westfalen 644.685
3 Baden-Württemberg 533.190
4 Niedersachsen 383.206
5 Hessen 221.358
6 Rheinland-Pfalz 202.287
7 Sachsen 114.518
8 Schleswig-Holstein 112.328
9 Brandenburg 106.297
10 Sachsen-Anhalt 76.707
11 Thüringen 71.983
12 Mecklenburg-Vorpommern 47.374
13 Saarland 37.136
14 Berlin 27.938
15 Hamburg 16.294
16 Bremen 8.008
Deutschland gesamt 3.355.547

Hinter jeder dieser Zahlen stehen reale Haushalte, die ihren Strom selbst erzeugen. Wer in seiner Region einen passenden Fachbetrieb sucht, findet ihn im dezentralo-Verzeichnis nach Bundesland sortiert. So lässt sich Eigenverbrauch gezielt vor Ort optimieren.

Was würde die Einspeisegebühr kosten?

Für private Betreiber steht eine Pauschale von rund 100 Euro pro Jahr im Raum, für Großanlagen ein Leistungspreis von 4 bis 7 Euro je Kilowatt. Bezogen auf eine durchschnittliche Eigenheim-Anlage von 9,93 Kilowatt entspricht die Pauschale etwa 10 Euro je Kilowatt. Damit zahlt ein Eigenheim pro Kilowatt rund das 1,5- bis 2,5-fache eines Solarparks.

Ein Haken steckt in der Form der Gebühr. Eine Pauschale fällt unabhängig von der eingespeisten Menge an, ein Speicher senkt sie also nicht. Schützen würde ein Speicher nur bei einem mengenabhängigen, dynamischen Modell, das die Bundesnetzagentur ebenfalls prüft. Welches Modell am Ende kommt, ist noch offen.

Hochgerechnet auf alle 3,36 Millionen betroffenen Haushalte ergibt die Pauschale rund 336 Millionen Euro pro Jahr. Bezieht man alle Anlagen bis 30 Kilowatt ein, sind es rund 430 Millionen Euro, etwa so viel wie von allen Großanlagen über 30 Kilowatt zusammen (rund 300 bis 530 Millionen Euro). Die Angaben sind Orientierungspunkte der Bundesnetzagentur und nicht final, wirken sollen sie ab 2029. Was die Zahlen aber heute schon zeigen, ist die Richtung der Belastung.

Gibt es eine faire Alternative zur Pauschale?

Die faire Alternative liegt längst beschlossen auf dem Tisch und heißt Steuerung statt Pauschale. Smart Meter, dynamische Tarife, reduzierte Netzentgelte nach Paragraf 14a und das ab 1. Juni 2026 mögliche Energy Sharing lenken Einspeisung und Verbrauch dorthin, wo das Netz Luft hat. Sie entlasten die Netze tatsächlich, statt nur Geld einzusammeln.

Das Problem ist der schleppende Rollout dieser Werkzeuge. Eine Pauschale steuert nichts, sie bestraft die Falschen, weil sie jede eingespeiste Kilowattstunde gleich behandelt, egal ob das Netz gerade voll oder leer ist. Wer mehr darüber wissen will, findet die Details im Ratgeber zu dynamischen Stromtarifen.

Bis die Politik entschieden hat, bleibt der wirksamste Hebel in der Hand der Hausbesitzer selbst: möglichst viel Solarstrom selbst verbrauchen. Mit Speicher, Wärmepumpe oder E-Auto sinkt die Einspeisung und damit die Angriffsfläche für jede künftige Gebühr. Dafür braucht es einen Fachbetrieb, der das Gesamtsystem plant.

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Häufig gestellte Fragen

Zum Stichtag 1. April 2026 waren laut Marktstammdatenregister rund 5,86 Millionen Solaranlagen in Betrieb, mit zusammen etwa 121 Gigawatt Leistung. Davon sind rund 5,57 Millionen kleine Anlagen bis 30 Kilowatt.

Im Reformverfahren AgNes will die Bundesnetzagentur ab 2029 erstmals auch Einspeiser an den Netzkosten beteiligen. Für private Betreiber steht eine Pauschale von rund 100 Euro pro Jahr im Raum. Das ist bislang ein Orientierungspunkt, kein beschlossenes Gesetz.

Nach dieser Auswertung rund 3,36 Millionen private Dachanlagen bis 30 Kilowatt, die ihren Überschuss ins Netz einspeisen. Rund 1,14 Millionen davon haben keinen Speicher und sind damit voll exponiert.

Nur bedingt. Eine reine Pauschale fällt unabhängig von der eingespeisten Menge an, ein Speicher senkt sie dann nicht. Bei einem mengenabhängigen, dynamischen Modell verringert weniger Einspeisung die Gebühr. Welches Modell kommt, ist noch offen.

Die neue Netzentgeltsystematik soll zum 1. Januar 2029 in Kraft treten. Der vollständige Verordnungsentwurf wird im Laufe des Jahres 2026 konsultiert.

Redakteur dezentralo Martin Pierags

Redakteur: Martin Pierags

Gründer dezentralo

Über Martin Pierags

Martin Pierags ist Gründer von dezentralo und überzeugt: Die Energiewende braucht dezentrale Handwerksbetriebe, keine Plattform-Monopole. Mit dezentralo schafft er ein Verzeichnis, das Installateure unabhängig macht und dort sichtbar, wo Kunden heute entscheiden – in KI-Antworten, bei Google und in ihrer Region.

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