Dynamische Stromtarife revolutionieren die Art, wie wir Strom beziehen und bezahlen. Statt eines festen Preises pro Kilowattstunde zahlst du mit einem dynamischen Tarif stündlich oder viertelstündlich wechselnde Preise, die sich am aktuellen Börsenstrompreis orientieren. Ein Home Energy Management System nutzt diese Preisschwankungen gezielt aus und verschiebt deinen Verbrauch automatisch in günstige Zeiten. Besonders mit Wärmepumpe, Elektroauto oder Batteriespeicher kannst du so 300 bis 800 Euro pro Jahr sparen. Seit 2025 sind alle Stromanbieter gesetzlich verpflichtet, dynamische Tarife anzubieten. Die Kombination aus HEMS und dynamischem Tarif macht dich zum aktiven Teil der Energiewende und senkt gleichzeitig deine Stromkosten erheblich.
Was sind dynamische Stromtarife?
Dynamische Stromtarife sind variable Preismodelle, bei denen sich der Strompreis stündlich oder viertelstündlich ändert. Der Preis orientiert sich am aktuellen Börsenstrompreis der europäischen Strombörse EPEX Spot. Anders als bei klassischen Festpreis-Tarifen, wo du das ganze Jahr über denselben Arbeitspreis zahlst, schwankt der Preis bei dynamischen Tarifen je nach Angebot und Nachfrage. Wenn mittags viel Solarstrom ins Netz eingespeist wird oder nachts die Nachfrage sinkt, fällt auch der Strompreis. In Spitzenlastzeiten am Abend steigt er hingegen an.
Seit dem 1. Januar 2025 sind alle Stromanbieter in Deutschland verpflichtet, mindestens einen dynamischen Stromtarif anzubieten. Große Anbieter mit mehr als 100.000 Kunden mussten diese Tarife bereits seit 2024 im Portfolio haben. Die gesetzliche Grundlage dafür findet sich im Energiewirtschaftsgesetz. Ziel ist es, Verbraucher stärker in die Energiewende einzubinden und die Netzstabilität zu verbessern. Wer seinen Stromverbrauch in günstige Zeiten verlagert, entlastet nicht nur seinen Geldbeutel, sondern auch das Stromnetz.
Der Strompreis setzt sich bei dynamischen Tarifen aus mehreren Komponenten zusammen: dem Börsenstrompreis als variable Komponente plus einem Aufschlag des Anbieters von meist 2 bis 5 Cent pro Kilowattstunde. Hinzu kommen die festen Bestandteile wie Netzentgelte, Steuern und Umlagen. Der große Unterschied: Während bei Festpreistarifen alle diese Komponenten zu einem fixen Preis zusammengerechnet werden, profitierst du bei dynamischen Tarifen direkt von niedrigen Börsenpreisen. Wenn der Börsenstrompreis auf 5 Cent pro Kilowattstunde fällt, zahlst du nur 7 bis 10 Cent plus Steuern und Netzentgelte.
| Tarifart | Preisbildung | Für wen geeignet? |
|---|---|---|
| Festpreis-Tarif | Fixer Arbeitspreis das ganze Jahr | Verbraucher mit starrem Verbrauchsmuster, die Planungssicherheit bevorzugen |
| Dynamischer Tarif (stündlich) | EPEX Spot + Aufschlag, ändert sich jede Stunde | Flexible Verbraucher mit HEMS, E-Auto, Wärmepumpe oder Speicher |
| Dynamischer Tarif (viertelstündlich) | EPEX Spot + Aufschlag, ändert sich alle 15 Minuten | Technikaffine Nutzer mit automatisiertem HEMS und Smart Meter |
Wie nutzt HEMS dynamische Stromtarife?
Ein HEMS ist der Schlüssel, um von dynamischen Stromtarifen maximal zu profitieren. Das System verbindet sich über eine API mit deinem Stromanbieter und erhält die Strompreise für die nächsten 24 Stunden im Voraus. Auf Basis dieser Preisprognose entscheidet das HEMS automatisch, wann welche Geräte laufen sollen. Du musst dich um nichts kümmern – das System arbeitet vollautomatisch im Hintergrund und optimiert deinen Verbrauch kontinuierlich.
Wie funktioniert die Preissignal-Steuerung?
Die Preissignal-Steuerung funktioniert über die automatische Abfrage der Börsenstrompreise. Das HEMS ruft mehrmals täglich die aktuellen Preise von der EPEX Spot Börse ab. Die Preise für den nächsten Tag werden jeweils um 14 Uhr veröffentlicht. Dein HEMS analysiert diese Preiskurve und identifiziert die günstigsten Zeitfenster. Für energieintensive Verbraucher wie Wärmepumpen, Elektroautos oder Waschmaschinen plant das System die Laufzeiten automatisch in diese günstigen Phasen.
Die Steuerung erfolgt in Echtzeit: Wenn der Strompreis unter einen bestimmten Schwellenwert fällt, gibt das HEMS Freigabesignale an die angeschlossenen Geräte. Bei hohen Preisen werden flexible Verbraucher pausiert oder der gespeicherte Strom aus dem Batteriespeicher genutzt. Moderne HEMS-Systeme wie EcoFlow HEMS, SMA Energy System oder Viessmann GridBox beherrschen diese Preissignal-Steuerung standardmäßig. Die Systeme lernen mit der Zeit dazu und optimieren ihre Strategie basierend auf deinem Verbrauchsverhalten und den historischen Preismustern.
Welche Geräte steuert HEMS nach Strompreis?
Das HEMS kann praktisch alle steuerbaren Verbraucher in deinem Haushalt nach Strompreis optimieren. Die Steuerung erfolgt über verschiedene Schnittstellen wie SG Ready bei Wärmepumpen, EEBUS bei Haushaltsgeräten oder direkt über intelligente Steckdosen. Hier die wichtigsten Gerätekategorien und ihr Einsparpotenzial:
| Gerät | Steuerungslogik | Einsparpotenzial pro Jahr |
|---|---|---|
| Elektroauto (40 kWh Batterie) | Laden in günstigen Nachtstunden, Verschiebung um 6-12 Stunden möglich | 400-800 € |
| Wärmepumpe (Jahresverbrauch 4.500 kWh) | Vorheizen bei niedrigen Preisen, thermische Speichermasse nutzen | 300-600 € |
| Batteriespeicher (10 kWh) | Laden bei günstigen Preisen, Entladen bei teuren Preisen | 200-400 € |
| Waschmaschine & Trockner | Start in günstigen Mittagsstunden oder nachts | 50-100 € |
| Geschirrspüler | Zeitverschiebung um 3-8 Stunden in günstige Phasen | 30-60 € |
| Warmwasser-Wärmepumpe | Aufheizen bei niedrigen Preisen, Speicherwirkung nutzen | 100-200 € |
| Poolheizung | Betrieb ausschließlich in günstigen Zeiten | 150-300 € |
Funktioniert HEMS auch mit Photovoltaik?
Ja, die Kombination aus HEMS, dynamischem Tarif und Photovoltaik ist besonders clever. Das HEMS arbeitet mit einer klaren Priorität: Zuerst wird immer der eigene PV-Strom genutzt, dann kommt günstiger Netzstrom bei niedrigen Börsenpreisen, und nur wenn beides nicht verfügbar ist, wird teurer Netzstrom bezogen. Diese Strategie maximiert sowohl den Eigenverbrauch als auch die Ersparnis durch dynamische Tarife.
Ein praktisches Beispiel: Mittags scheint die Sonne und deine PV-Anlage produziert Überschuss. Das HEMS lädt den Batteriespeicher mit kostenlosem PV-Strom. Abends zwischen 18 und 20 Uhr steigt der Börsenpreis auf 45 Cent pro Kilowattstunde. Jetzt entlädt das HEMS den Speicher und vermeidet den teuren Netzbezug. Um 2 Uhr nachts fällt der Börsenpreis auf 8 Cent. Das HEMS lädt den Speicher nach, um morgens früh vor Sonnenaufgang günstigen Strom verfügbar zu haben. Diese dreistufige Optimierung aus PV-Eigenverbrauch, dynamischer Tarifnutzung und Speicherbewirtschaftung ist nur mit einem HEMS möglich.
Welche Anbieter haben dynamische Stromtarife in Deutschland?
Seit 2025 bieten alle großen Stromanbieter in Deutschland dynamische Tarife an. Die Pioniere wie Tibber, aWATTar und Ostrom haben mehrjährige Erfahrung und ausgereifte Apps zur Verbrauchssteuerung. Neue Anbieter wie Octopus Energy und traditionelle Versorger wie E.ON, Entega und Eprimo haben 2024 und 2025 nachgezogen. Die Unterschiede liegen vor allem in den Aufschlägen auf den Börsenpreis, den Grundgebühren und der Qualität der Apps zur Verbrauchsoptimierung.
Bei der Wahl des Anbieters solltest du auf folgende Kriterien achten: Wie hoch ist der Aufschlag auf den Börsenpreis? Gibt es eine monatliche Kündigungsfrist? Ist die App HEMS-kompatibel? Bietet der Anbieter auch einen Smart Meter mit an? Die besten Anbieter haben Aufschläge von 2 bis 3 Cent pro Kilowattstunde und monatliche Kündigungsfristen. So kannst du flexibel wechseln, wenn ein günstigerer Anbieter auftaucht oder der Tarif doch nicht zu deinem Verbrauchsprofil passt.
| Anbieter | Tarifname | Preismodell | Smart Meter Pflicht | HEMS-Kompatibilität |
|---|---|---|---|---|
| Tibber | Tibber Energy | EPEX + 2,5 Ct/kWh, Grundpreis 4,99 €/Monat | Empfohlen, auch ohne möglich | Excellent, eigene App mit Smart Charging |
| aWATTar | HOURLY | EPEX + 2,0 Ct/kWh, Grundpreis 9,90 €/Monat | Ja, für stündliche Abrechnung | Sehr gut, API für HEMS-Integration |
| Ostrom | Ostrom dynamisch | EPEX + 1,9 Ct/kWh, Grundpreis 9,99 €/Monat | Ja, intelligentes Messsystem | Sehr gut, Echtzeit-Daten |
| Rabot Charge | Rabot Energy | EPEX + 3,0 Ct/kWh, Grundpreis 12,00 €/Monat | Ja, mit Installation | Excellent, speziell für E-Autos |
| Octopus Energy | Octopus Flex | EPEX + 2,8 Ct/kWh, Grundpreis 8,99 €/Monat | Empfohlen | Gut, App mit Preisvorhersage |
| Entega | Entega dynamisch | EPEX + 4,5 Ct/kWh, Grundpreis 14,90 €/Monat | Ja | Befriedigend, Basis-Funktionen |
| E.ON | Ökostrom Dynamisch | EPEX + 4,0 Ct/kWh, Grundpreis 12,90 €/Monat | Ja | Befriedigend, Standard-App |
| Lichtblick | Lichtblick dynamisch | EPEX + 3,5 Ct/kWh, Grundpreis 10,90 €/Monat | Ja | Gut, Smart-Home-Integration |
Welche Voraussetzungen brauche ich für dynamische Tarife?
Für dynamische Stromtarife brauchst du drei wesentliche Komponenten: einen Smart Meter zur genauen Verbrauchsmessung, ein HEMS zur automatischen Steuerung und flexible Verbraucher, die zeitlich verschoben werden können. Ohne diese Voraussetzungen lohnt sich ein dynamischer Tarif nicht, da du die Preisschwankungen nicht gezielt nutzen kannst. Die Investition in die nötige Technik amortisiert sich aber meist innerhalb von ein bis zwei Jahren durch die Einsparungen beim Strompreis.
Brauche ich einen Smart Meter für dynamische Tarife?
Ja, für die stündliche oder viertelstündliche Abrechnung dynamischer Tarife ist ein Smart Meter zwingend erforderlich. Laut § 41 Absatz 5 Energiewirtschaftsgesetz haben alle Letztverbraucher seit dem 1. Januar 2025 Anspruch auf ein intelligentes Messsystem. Der Messstellenbetreiber muss das Gerät innerhalb von vier Monaten nach Anforderung einbauen. Die Kosten für ein intelligentes Messsystem sind gesetzlich gedeckelt: 20 Euro pro Jahr für Haushalte bis 10.000 Kilowattstunden Verbrauch und 50 Euro pro Jahr für Haushalte mit Wärmepumpe oder Elektroauto-Ladestation.
Es gibt zwei Arten von Zählern: die moderne Messeinrichtung und das intelligente Messsystem. Die moderne Messeinrichtung zeigt nur den Verbrauch an, kann aber keine Daten übertragen. Das intelligente Messsystem sendet die Verbrauchsdaten alle 15 Minuten per Mobilfunk an den Messstellenbetreiber und ermöglicht so die präzise Abrechnung dynamischer Tarife. Einige Anbieter wie Tibber bieten auch eine monatlich dynamische Abrechnung ohne Smart Meter an. Dabei wird dein Verbrauch anhand des Standardlastprofils mit den Durchschnittspreisen des Monats abgerechnet. Die Ersparnis ist hier deutlich geringer als bei stündlicher Abrechnung. Mehr Details zu den technischen Anforderungen findest du in unserem Artikel über HEMS und Smart Meter.
Welche technischen Voraussetzungen muss mein HEMS erfüllen?
Dein HEMS muss für dynamische Tarife drei Kernfunktionen beherrschen: API-Anbindung zum Stromanbieter für Preisinformationen, automatisierte Steuerung der Verbraucher und eine stabile Internetverbindung. Die API-Anbindung erfolgt meist über standardisierte Schnittstellen wie REST-APIs, die alle 15 Minuten oder stündlich die aktuellen Strompreise abrufen. Das HEMS speichert diese Preise lokal und plant darauf basierend die Verbrauchszeiten für die nächsten 24 Stunden.
Die automatisierte Steuerung muss ohne dein Zutun funktionieren. Das HEMS entscheidet eigenständig, wann welches Gerät läuft. Bei Wärmepumpen erfolgt die Ansteuerung über die SG Ready Schnittstelle, bei Elektroautos über OCPP oder herstellerspezifische APIs, bei Batteriespeichern über Modbus TCP oder proprietäre Schnittstellen. Eine Internetverbindung mit mindestens 1 Mbit/s Downstream ist ausreichend. Das HEMS benötigt kein schnelles Internet, da nur kleine Datenmengen übertragen werden. Wichtiger ist eine stabile Verbindung ohne häufige Ausfälle. Moderne HEMS-Systeme wie EcoFlow HEMS, Viessmann GridBox oder E3DC S10 erfüllen alle diese Anforderungen ab Werk. Weitere Informationen zur intelligenten Verbrauchssteuerung findest du in unserem Artikel über HEMS Lastmanagement.
Lohnt sich HEMS mit dynamischen Stromtarifen?
Ja, die Kombination aus HEMS und dynamischem Stromtarif lohnt sich für die meisten Haushalte mit flexiblen Verbrauchern. Studien zeigen, dass Haushalte mit Wärmepumpe, Elektroauto oder Batteriespeicher zwischen 200 und 800 Euro pro Jahr sparen können. Eine Analyse der Universitäten Bamberg, Chemnitz, Würzburg und Zürich über fünf Jahre ergab Einsparungen von 12,7 Prozent allein durch Eigenverbrauchsoptimierung mit dynamischen Tarifen. Weitere 6 Prozent sind möglich, wenn der Speicher auf Preissignale reagiert und bei hohen Preisen ins Netz einspeist.
Wann lohnt sich ein dynamischer Tarif mit HEMS?
Ein dynamischer Tarif mit HEMS lohnt sich besonders, wenn mehrere der folgenden Kriterien zutreffen:
- Hoher Jahresverbrauch: Ab 4.000 Kilowattstunden jährlich überwiegen die Einsparungen die Mehrkosten für Smart Meter und HEMS. Bei 3.000 Kilowattstunden liegt die Ersparnis bei etwa 150 Euro pro Jahr, bei 6.000 Kilowattstunden schon bei 350 Euro.
- Flexible Großverbraucher vorhanden: Elektroauto, Wärmepumpe, Warmwasser-Wärmepumpe oder Batteriespeicher können zeitlich verschoben werden und haben hohe Einzelverbräuche. Ein Elektroauto allein verbraucht 2.000 bis 4.000 Kilowattstunden pro Jahr.
- Bereitschaft zur Automatisierung: Du vertraust darauf, dass das HEMS die Optimierung übernimmt und akzeptierst, dass manche Geräte nicht sofort, sondern zeitverzögert laufen. Die Waschmaschine startet vielleicht erst um 13 Uhr statt um 9 Uhr.
- PV-Anlage mit Speicher: Die Kombination aus Eigenverbrauch und dynamischen Tarifen ist besonders lukrativ. Bei 10 Kilowatt Peak PV und 10 Kilowattstunden Speicher sind Einsparungen von 500 bis 800 Euro pro Jahr realistisch.
- Technische Affinität: Du bist bereit, dich anfangs mit der Konfiguration des HEMS zu beschäftigen und die Verbrauchsberichte zu analysieren. Nach der Einrichtung läuft das System automatisch.
- Keine Preisdeckelung nötig: Du kannst mit schwankenden Monatsrechnungen leben und benötigst keine absolute Planungssicherheit. Die meisten Monate sind günstiger als Festpreise, aber einzelne Monate können teurer ausfallen.
Wie hoch sind die Einsparungen konkret?
Die konkreten Einsparungen hängen von deinem Verbrauchsprofil, den installierten Verbrauchern und deiner Bereitschaft zur Flexibilisierung ab. Hier realistische Szenarien basierend auf Daten aus 2025:
| Szenario | Jahresverbrauch | Durchschnittspreis Festtarif | Durchschnittspreis dynamisch | Einsparung pro Jahr |
|---|---|---|---|---|
| Haushalt mit E-Auto (60 kWh Ladung/Woche) | 6.500 kWh | 35 Ct/kWh | 26 Ct/kWh | 585 € |
| Haushalt mit Wärmepumpe (4.500 kWh/Jahr) | 8.000 kWh | 34 Ct/kWh | 28 Ct/kWh | 480 € |
| PV + Speicher (10 kWh) ohne Wärmepumpe | 4.000 kWh | 33 Ct/kWh | 25 Ct/kWh | 320 € |
| Haushalt mit E-Auto + Wärmepumpe + Speicher | 11.000 kWh | 35 Ct/kWh | 27 Ct/kWh | 880 € |
| Durchschnittshaushalt ohne flexible Verbraucher | 3.500 kWh | 34 Ct/kWh | 32 Ct/kWh | 70 € |
Wichtig: Diese Zahlen basieren auf dem Börsenpreisverlauf 2025 mit durchschnittlich 12 Cent pro Kilowattstunde Börsenstrompreis plus 2 Cent Aufschlag plus 20 Cent Steuern und Netzentgelte. Bei steigenden Börsenstrompreisen fallen die Einsparungen geringer aus. Umgekehrt profitierst du bei fallenden Börsenpreisen noch stärker. Die Stiftung Warentest bewertete in Finanztest 9/2024 insgesamt 20 Anbieter. Ostrom schnitt dabei mit nur 19,3 Cent Aufschlag zum Börsenstrompreis am besten ab.
Welche Risiken gibt es bei dynamischen Tarifen?
Trotz der attraktiven Einsparungen gibt es Risiken, die du kennen solltest:
- Preisschwankungen nach oben: In Zeiten mit geringer Erzeugung aus erneuerbaren Energien und hoher Nachfrage steigen die Börsenpreise stark an. Im Januar 2025 wurde ein Spitzenwert von 583 Euro pro Megawattstunde erreicht, das sind 58 Cent pro Kilowattstunde nur für den Börsenpreis. Mit Steuern und Netzentgelten kommst du auf über 80 Cent pro Kilowattstunde. Ohne Preisdeckelung trägst du dieses Risiko voll.
- Keine Planungssicherheit: Deine monatliche Stromrechnung schwankt je nach Verbrauch und Preisverlauf. In windreichen Monaten zahlst du vielleicht 80 Euro, in windstillen Monaten 180 Euro. Das erschwert die Budgetplanung und kann bei knappen Finanzen problematisch werden.
- Technischer Aufwand: Die Einrichtung von HEMS, Smart Meter und die Integration aller Verbraucher erfordert Zeit und technisches Verständnis. Wenn das HEMS falsch konfiguriert ist oder die API-Verbindung nicht funktioniert, laufen die Geräte zu teuren Zeiten und du zahlst mehr als mit einem Festpreis.
- Abhängigkeit von Automatisierung: Wenn das HEMS ausfällt oder die Internetverbindung unterbrochen wird, läuft die Optimierung nicht mehr. Deine Geräte verbrauchen dann möglicherweise zu teuren Zeiten Strom. Ein Backup-Szenario mit manueller Steuerung sollte vorhanden sein.
- Monatliche Abschläge existieren nicht: Bei den meisten dynamischen Tarifen zahlst du monatlich genau deinen Verbrauch. Es gibt keine Abschläge mit Jahresabrechnung. Das bedeutet: In verbrauchsstarken Monaten kann die Rechnung deutlich höher ausfallen als gewohnt.
Praxisbeispiel: Ein typischer Tag mit dynamischem Tarif
Schauen wir uns einen konkreten Tag im Mai 2025 an, um zu verstehen, wie HEMS und dynamischer Tarif in der Praxis zusammenspielen. Der Haushalt verfügt über eine 10 Kilowatt Peak PV-Anlage, einen 10 Kilowattstunden Batteriespeicher, eine Wärmepumpe und ein Elektroauto.
02:00 Uhr - Strompreis: 8 Cent/kWh (EPEX -4 Ct + 12 Ct Zuschlag)
Der Börsenpreis ist in der Nacht extrem niedrig. Das HEMS lädt den Batteriespeicher mit 8 Kilowattstunden für 64 Cent. Das Elektroauto wird ebenfalls mit 30 Kilowattstunden geladen, Kosten 2,40 Euro. Die Wärmepumpe heizt den Pufferspeicher auf 55 Grad vor. Verbrauch: 42 Kilowattstunden, Kosten: 3,36 Euro.
06:00 Uhr - Strompreis: 22 Cent/kWh
Die Morgensonne geht auf, die PV-Anlage beginnt zu produzieren. Der Haushalt nutzt den Batteriespeicher für Kaffee, Frühstück und Duschen. Kein Netzbezug nötig. Kosten: 0 Euro.
12:00 Uhr - Strompreis: 5 Cent/kWh (negativer Börsenpreis!)
Mittags scheint die Sonne stark, die PV-Anlage produziert 8 Kilowatt. Der Haushalt verbraucht nur 1 Kilowatt. Die überschüssigen 7 Kilowatt laden den Speicher voll. Danach werden 3 Kilowatt ins Netz eingespeist. Bei negativen Börsenpreisen würde das HEMS jetzt auch Waschmaschine und Geschirrspüler starten, um den kostenlosen Strom zu nutzen. Kosten: 0 Euro, sogar Einspeisevergütung von 24 Cent pro Kilowattstunde.
18:00 Uhr - Strompreis: 45 Cent/kWh (Spitzenlastzeit)
Jetzt wird es teuer. Viele Menschen kommen von der Arbeit, kochen Abendessen, schauen Fernsehen. Das HEMS reagiert: Es entlädt den Batteriespeicher und deckt damit den Hausverbrauch von 2 Kilowattstunden. Die Wärmepumpe pausiert, da der Pufferspeicher noch 48 Grad hat. Netzbezug: 0 Kilowattstunden. Eingesparte Kosten gegenüber Netzbezug: 90 Cent.
23:00 Uhr - Strompreis: 18 Cent/kWh
Der Preis fällt wieder. Das HEMS lädt den Speicher mit 4 Kilowattstunden nach für 72 Cent. Die Wärmepumpe heizt den Puffer wieder auf 52 Grad mit 3 Kilowattstunden für 54 Cent. Gesamtverbrauch Abend: 7 Kilowattstunden, Kosten: 1,26 Euro.
Tagesbilanz: Gesamtverbrauch 42 Kilowattstunden, tatsächliche Kosten 4,62 Euro. Mit Festpreis-Tarif von 35 Cent pro Kilowattstunde: 14,70 Euro. Ersparnis an diesem Tag: 10,08 Euro. Hochgerechnet auf 365 Tage: 3.679 Euro Ersparnis pro Jahr. Realistisch sind bei diesem Setup 800 bis 1.200 Euro Ersparnis, da nicht jeder Tag so optimal verläuft.
Wie kann ich negative Strompreise nutzen?
Negative Strompreise sind für Verbraucher mit dynamischen Tarifen eine besondere Chance. Negativ bedeutet: Der Börsenpreis fällt unter null, du bekommst theoretisch Geld dafür, dass du Strom verbrauchst. In der Praxis musst du immer noch Steuern, Netzentgelte und den Aufschlag des Anbieters zahlen. Aber der Arbeitspreis kann auf 5 bis 15 Cent pro Kilowattstunde fallen, während andere 35 Cent zahlen. 2025 gab es bereits 575 Stunden mit negativen Strompreisen an der Börse, 118 mehr als im Vorjahr. Das sind etwa 24 Tage im Jahr mit mindestens einer Stunde Negativpreis.
Negative Preise treten besonders häufig an sonnenreichen Wochenenden im Frühjahr und Sommer auf. An Feiertagen wie Ostern oder Pfingsten, wenn viele Photovoltaikanlagen einspeisen und die Nachfrage gleichzeitig niedrig ist, können mehrere Stunden hintereinander negativ sein. Der Rekordwert 2025 wurde am 11. Mai um 13 Uhr mit minus 250 Euro pro Megawattstunde erreicht, das entspricht minus 25 Cent pro Kilowattstunde. Mit Steuern und Aufschlägen kommst du auf etwa 5 Cent Gesamtpreis – ein Schnäppchen.
Dein HEMS erkennt diese Negativpreis-Phasen automatisch und startet alle flexiblen Verbraucher. Waschmaschine, Trockner, Geschirrspüler, Warmwasser-Wärmepumpe und Batteriespeicher laufen auf Hochtouren. Bei echten Netto-Negativpreisen, also wenn auch nach Abzug aller Steuern und Zuschläge ein Minuspreis bleibt, erhältst du sogar eine Gutschrift auf der Rechnung. Das passiert allerdings selten, da die fixen Bestandteile des Strompreises meist höher sind als der negative Börsenwert. Trotzdem sparst du in diesen Stunden 20 bis 30 Cent pro Kilowattstunde gegenüber Festpreisen. Bei 5 Kilowattstunden Verbrauch in einer Negativpreis-Stunde sind das 1,00 bis 1,50 Euro Ersparnis.
Fazit: HEMS und dynamische Tarife – die perfekte Kombination
Die Kombination aus HEMS und dynamischem Stromtarif ist für Haushalte mit flexiblen Großverbrauchern eine der besten Möglichkeiten, Stromkosten zu senken und gleichzeitig die Energiewende zu unterstützen. Mit Wärmepumpe, Elektroauto oder Batteriespeicher sind Einsparungen von 300 bis 800 Euro pro Jahr realistisch. Das HEMS übernimmt die komplette Optimierung automatisch – du musst dich um nichts kümmern.
Seit 2025 sind alle Stromanbieter verpflichtet, dynamische Tarife anzubieten. Du hast die Wahl zwischen etablierten Anbietern wie Tibber und aWATTar mit Aufschlägen von 2 bis 3 Cent oder traditionellen Versorgern mit höheren Aufschlägen, aber etablierten Strukturen. Ein Smart Meter ist Pflicht, kostet aber nur 20 bis 50 Euro pro Jahr. Die Investition in ein HEMS amortisiert sich bei hohem Verbrauch innerhalb von ein bis zwei Jahren.
Die Risiken sind überschaubar: Preisschwankungen nach oben, fehlende Planungssicherheit und technischer Aufwand. Wer diese Punkte akzeptiert und bereit ist, sein Verbrauchsverhalten zu flexibilisieren, profitiert massiv. Besonders die Nutzung negativer Strompreise an 24 Tagen im Jahr 2025 zeigt das Potenzial. Die Energiewende macht Strom volatiler – mit HEMS und dynamischem Tarif machst du aus dieser Herausforderung einen finanziellen Vorteil.
Häufig gestellte Fragen
Dynamische Stromtarife sind variable Preismodelle, bei denen sich der Strompreis stündlich oder viertelstündlich ändert. Der Preis orientiert sich am aktuellen Börsenstrompreis der EPEX Spot plus einem Aufschlag des Anbieters von 2 bis 5 Cent pro Kilowattstunde. Seit Januar 2025 müssen alle Stromanbieter in Deutschland mindestens einen dynamischen Tarif anbieten.
HEMS ruft über eine API die Strompreise für die nächsten 24 Stunden ab und plant automatisch, wann welche Geräte laufen sollen. Bei niedrigen Preisen lädt das HEMS Batteriespeicher und Elektroauto, bei hohen Preisen werden flexible Verbraucher pausiert und der Speicher entladen. Die Optimierung erfolgt vollautomatisch ohne dein Zutun.
Zu den wichtigsten Anbietern gehören Tibber, aWATTar, Ostrom, Rabot Charge, Octopus Energy, E.ON und Entega. Tibber und aWATTar sind Pioniere mit ausgereiften Apps. Ostrom schnitt bei Stiftung Warentest mit nur 19,3 Cent Aufschlag am besten ab. Die monatlichen Grundgebühren liegen zwischen 5 und 15 Euro.
Ja, besonders bei hohem Verbrauch über 4.000 Kilowattstunden pro Jahr und flexiblen Großverbrauchern. Mit Elektroauto sind 400 bis 800 Euro Ersparnis pro Jahr möglich, mit Wärmepumpe 300 bis 600 Euro. Die Kombination aus PV, Speicher und dynamischem Tarif kann bis zu 1.200 Euro jährlich sparen.
Das HEMS ruft mehrmals täglich die Börsenstrompreise ab. Die Preise für den nächsten Tag werden um 14 Uhr veröffentlicht. Das System analysiert die Preiskurve, identifiziert günstige Zeitfenster und plant die Laufzeiten aller steuerbaren Geräte automatisch. Bei Preisen unter einem Schwellenwert gibt es Freigabesignale an Wärmepumpe, Elektroauto und Co.
Ja, für stündliche oder viertelstündliche Abrechnung ist ein Smart Meter zwingend erforderlich. Seit Januar 2025 haben alle Haushalte Anspruch auf ein intelligentes Messsystem. Die Kosten sind auf 20 Euro pro Jahr für normale Haushalte und 50 Euro für Haushalte mit Wärmepumpe oder Elektroauto gedeckelt.
HEMS steuert Elektroautos, Wärmepumpen, Batteriespeicher, Waschmaschinen, Trockner, Geschirrspüler, Warmwasser-Wärmepumpen und Poolheizungen nach Strompreis. Die Steuerung erfolgt über SG Ready, EEBUS oder intelligente Steckdosen. Jedes Gerät wird zu den günstigsten Zeiten betrieben, ohne dass du eingreifen musst.
Ja, die Hauptrisiken sind Preisschwankungen nach oben, fehlende Planungssicherheit und technischer Aufwand. In Spitzenlastzeiten kann der Preis auf 80 Cent pro Kilowattstunde steigen. Deine Monatsrechnung schwankt je nach Verbrauch und Preisverlauf. Wenn HEMS oder Internet ausfällt, läuft die Optimierung nicht mehr.
Die Einsparungen liegen zwischen 200 und 800 Euro pro Jahr. Mit Elektroauto 400 bis 800 Euro, mit Wärmepumpe 300 bis 600 Euro, mit Batteriespeicher 200 bis 400 Euro. Die Kombination aus allen drei Verbrauchern kann bis zu 880 Euro sparen. Durchschnittshaushalte ohne flexible Verbraucher sparen nur etwa 70 Euro.
Ja, die Kombination ist besonders clever. HEMS arbeitet mit Priorität: erst eigener PV-Strom, dann günstiger Netzstrom bei niedrigen Börsenpreisen, zuletzt teurer Netzstrom. Mittags lädt das System den Speicher mit PV-Strom, abends entlädt es ihn bei hohen Preisen, nachts lädt es günstig nach.
Negative Strompreise entstehen, wenn das Stromangebot die Nachfrage übersteigt, meist bei starker PV-Einspeisung an sonnigen Wochenenden. Der Börsenstrompreis fällt unter null. 2025 gab es 575 Stunden mit negativen Preisen. Der Rekordwert lag bei minus 250 Euro pro Megawattstunde, mit Zuschlägen zahlst du etwa 5 Cent pro Kilowattstunde.
Negative Preise treten besonders mittags zwischen 12 und 15 Uhr an sonnenreichen Tagen auf, vor allem im Frühjahr und Sommer. Feiertage wie Ostern oder Pfingsten mit niedriger Nachfrage sind typische Zeitpunkte. Auch windstarke Nächte können negative Preise auslösen. 2025 gab es etwa 24 Tage mit mindestens einer Stunde Negativpreis.
Theoretisch ja, praktisch meist nein. Selbst bei negativen Börsenpreisen musst du Steuern, Netzentgelte und Aufschläge zahlen. Bei minus 20 Cent Börsenpreis zahlst du mit Zuschlägen etwa 5 bis 10 Cent pro Kilowattstunde. Echte Netto-Negativpreise mit Gutschrift sind extrem selten. Du sparst aber 25 bis 30 Cent gegenüber normalen Preisen.
Ostrom hat laut Stiftung Warentest mit 19,3 Cent Gesamtzuschlag zum Börsenstrompreis die niedrigsten Kosten, davon 1,9 Cent Aufschlag. aWATTar folgt mit 2,0 Cent Aufschlag, Tibber mit 2,5 Cent. Traditionelle Versorger wie E.ON und Entega liegen mit 4,0 bis 4,5 Cent deutlich höher.
Die meisten Anbieter dynamischer Tarife haben monatliche Kündigungsfristen. Tibber, aWATTar und Rabot Charge können monatlich gekündigt werden. Das bedeutet: Wenn der Tarif nicht zu deinem Verbrauchsmuster passt oder ein günstigerer Anbieter auftaucht, kannst du flexibel wechseln. Traditionelle Versorger haben oft 3 oder 6 Monate Kündigungsfrist.
Grundlegende technische Affinität ist hilfreich, aber keine Expertenkenntnisse nötig. Die Einrichtung des HEMS dauert 1 bis 2 Stunden. Moderne Systeme haben benutzerfreundliche Apps mit Einrichtungsassistenten. Nach der initialen Konfiguration läuft alles automatisch. Du solltest bereit sein, Verbrauchsberichte zu analysieren und die Einstellungen anzupassen.
Ja, aber die Ersparnis ist deutlich geringer. Ohne HEMS musst du manuell die Preise in der App checken und Geräte per Timer oder manuell zu günstigen Zeiten starten. Das ist mühsam und fehleranfällig. Die Ersparnis liegt dann bei 50 bis 150 Euro statt 300 bis 800 Euro mit automatisiertem HEMS.
Ein HEMS kostet 1.500 bis 3.000 Euro, ein Smart Meter 20 bis 50 Euro pro Jahr. Bei 500 Euro Ersparnis pro Jahr amortisiert sich die Investition in 3 bis 6 Jahren. Mit höheren Einsparungen von 800 Euro schon nach 2 bis 4 Jahren. Die Systeme halten 10 bis 15 Jahre, du profitierst also langfristig.
Bei Stromausfall schaltet das HEMS in einen Notbetrieb. Batteriespeicher mit Notstromfunktion versorgen kritische Verbraucher weiter. Die Preisoptimierung pausiert, Geräte laufen im Standardmodus. Nach Wiederherstellung der Stromversorgung synchronisiert sich das HEMS automatisch mit den aktuellen Preisen und nimmt den optimierten Betrieb wieder auf.
Ja, alle HEMS-Systeme bieten manuelle Übersteuerung. Wenn du sofort Strom brauchst, kannst du per App oder Schalter die automatische Optimierung für einzelne Geräte pausieren. Das Elektroauto lädt dann sofort, auch wenn der Preis gerade hoch ist. Nach dem manuellen Ladevorgang übernimmt das HEMS wieder die Kontrolle.