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HEMS und Batteriespeicher: Mehr Unabhängigkeit vom Netz

HEMS und Batteriespeicher: Mehr Unabhängigkeit vom Netz - dezentralo

Ein Batteriespeicher ohne koordinierte Steuerung verschenkt Potenzial. Der Speicher lädt sich zwar mit Solarstrom auf und gibt Energie ab, wenn Sie sie brauchen – aber die Entscheidungen darüber, wann genau geladen und entladen wird, treffen oft simple Algorithmen ohne Blick auf Strompreise, Wetterprognosen oder Ihre tatsächlichen Verbrauchsmuster. Ein Home Energy Management System ändert das grundlegend. Es orchestriert den Batteriespeicher zusammen mit PV-Anlage, Wärmepumpe und Wallbox zu einem aufeinander abgestimmten System. Haushalte mit HEMS und Speicher erreichen typischerweise 10-15 Prozentpunkte höhere Autarkiegrade als ohne HEMS-Steuerung und verlängern gleichzeitig die Lebensdauer ihrer Batterie um zwei bis drei Jahre.

In diesem Artikel erfahren Sie, wie ein HEMS Ihren Batteriespeicher steuert, welche Lade- und Entladestrategien zum Einsatz kommen und wie sich die Kombination wirtschaftlich rechnet. Sie erhalten eine Übersicht kompatibler Speichersysteme und lernen, wie HEMS im Notstrombetrieb reagiert.

Wie HEMS und Batteriespeicher zusammenarbeiten

Ein HEMS fungiert als zentrale Steuerungseinheit für Ihren Batteriespeicher. Anders als die werksseitige Speichersteuerung, die meist nur auf aktuelle Messwerte reagiert, plant ein HEMS vorausschauend. Es bezieht Wettervorhersagen für die PV-Erzeugung ein, kennt die Börsenstrompreise für die nächsten 24 Stunden und lernt aus Ihrem typischen Verbrauchsverhalten. Daraus erstellt das System täglich einen Fahrplan, wann der Speicher geladen, entladen oder in Reserve gehalten werden soll.

Die grundlegende Arbeitsweise: Das HEMS überwacht sekündlich die Energieflüsse zwischen PV-Anlage, Speicher, Hausverbrauch und Netz. Erzeugt Ihre 8-kWp-PV-Anlage mittags 7 kW und Ihr Haushalt verbraucht nur 2 kW, fließen die überschüssigen 5 kW in den Batteriespeicher. Ist der Speicher voll, geht der Überschuss ins Netz. Abends, wenn die PV nichts mehr liefert und Ihr Verbrauch bei 3 kW liegt, entlädt das HEMS den Speicher und deckt Ihren Bedarf ohne Netzbezug. Soweit die Grundfunktion, die jeder moderne Speicher beherrscht.

Die Mehrwerte eines HEMS zeigen sich in den Details. Angenommen, für morgen ist ein bewölkter Tag mit wenig PV-Ertrag prognostiziert. Ein normaler Speicher würde heute Abend bis auf 20 Prozent State of Charge (SOC) entladen, um morgen wieder Platz für PV-Überschuss zu haben. Das HEMS erkennt aber, dass morgen kaum Überschuss zu erwarten ist. Es hält den Speicher heute auf 80 Prozent und deckt den morgigen Verbrauch aus der gespeicherten Energie, statt teuren Netzstrom zu beziehen. An sonnigen Tagen verfährt es umgekehrt: Der Speicher wird abends stärker entladen, weil morgen reichlich PV-Nachschub kommt.

Die Kommunikation zwischen HEMS und Speicher erfolgt über verschiedene Protokolle. Modbus TCP ist der offenste Standard und wird von den meisten Herstellern unterstützt. Das HEMS sendet Befehle wie "Lade mit 3 kW" oder "Entlade mit 2 kW" und erhält Statusmeldungen über aktuellen SOC, Spannung, Temperatur und Leistung zurück. Bei CAN-Bus-basierten Systemen läuft die Kommunikation schneller, ist aber herstellerspezifischer. Proprietäre Systeme wie SENEC, E3/DC oder Sonnen haben ihr HEMS bereits im Speicher integriert, was die Abstimmung vereinfacht, aber die Flexibilität einschränkt.

Die Steuerung arbeitet mehrschichtig. Auf oberster Ebene plant das HEMS die Strategie für die nächsten 24-48 Stunden: Wann wird geladen, wann entladen, welche Reserve bleibt für Notstrom? Auf mittlerer Ebene optimiert es stündlich basierend auf aktuellen Strompreisen und tatsächlichem PV-Ertrag. Auf unterster Ebene reagiert es sekündlich auf plötzliche Laständerungen – etwa wenn Ihre Wärmepumpe anspringt und der Speicher sofort 4 kW zusätzlich liefern muss, um Netzbezug zu vermeiden.

Lade- und Entladestrategien

Ein HEMS setzt verschiedene Strategien ein, abhängig von Tageszeit, Strompreis, Wetter und Ihren Prioritäten. Die Wahl der richtigen Strategie entscheidet darüber, wie viel Netzbezug Sie vermeiden und wie stark Sie von dynamischen Tarifen profitieren. Im Folgenden werden die sechs wichtigsten Strategien und ihre Anwendungsfälle beschrieben:

Strategie Zeitpunkt Ziel Beispiel
PV-Überschuss laden Tagsüber bei Sonne Eigenen Strom speichern 11:00-15:00 Uhr, SOC von 20% auf 90%
Nachtladen günstiger Strom Nachttarif Kosten sparen 22:00-06:00 Uhr bei 18 Cent/kWh
Entladung Spitzenlast Abends 17-22 Uhr Netzbezug vermeiden Kochen, TV, Wärmepumpe aus Speicher
Notstromreserve Immer 20% SOC Blackout-Absicherung Mindest-SOC halten, nie unterschreiten
Dynamischer Tarif Variable Zeiten Günstig laden, teuer entladen Börsenpreise unter 15 Cent laden
Prognostisch Wetterabhängig Für morgen vorplanen Regen erwartet → heute vollladen

Diese Strategien greifen ineinander und werden vom HEMS situativ kombiniert. An einem sonnigen Sommertag mit dynamischem Tarif läuft die PV-Überschuss-Strategie mittags, die Entlade-Strategie abends und die Notstromreserve wird durchgehend eingehalten. An einem bewölkten Wintertag mit hohen Börsenpreisen lädt das System nachts günstigen Strom und hält den Speicher tagsüber für die teuren Abendstunden bereit.

Die PV-Überschuss-Strategie ist die Grundlage jeder Speichernutzung. Zwischen 10 und 16 Uhr erzeugt Ihre PV-Anlage mehr Strom als Sie verbrauchen. Bei einer 8-kWp-Anlage und typischem Tagesverlauf sind das im Jahresmittel 25-35 kWh pro Tag, von denen Sie ohne Speicher nur 6-10 kWh direkt verbrauchen. Die restlichen 15-25 kWh würden ins Netz fließen und Ihnen 8 Cent Einspeisevergütung bringen. Mit Speicher landen 10-15 kWh im Akku und werden abends genutzt, was 35 Cent Netzbezug spart – eine Differenz von 27 Cent pro kWh oder 4-5 Euro pro Tag.

Das Nachtladen bei günstigen Tarifen wird zunehmend attraktiver. Mit dynamischen Tarifen wie Tibber oder aWATTar fallen die Strompreise nachts oft auf 12-20 Cent pro kWh, während sie abends 35-50 Cent erreichen. Das HEMS prüft täglich die Day-Ahead-Preise und entscheidet: Ist morgen wenig Sonne zu erwarten und sind die Nachtpreise unter 20 Cent, lädt der Speicher nachts mit 3-5 kW Leistung voll. Diese Energie nutzen Sie dann am Folgetag, statt teuren Abendstrom zu beziehen. Bei einem 10-kWh-Speicher und 250 solcher Tage pro Jahr sparen Sie etwa 150-200 Euro zusätzlich.

Die Entladestrategie für Spitzenlastzeiten ist das Kernstück der Autarkieoptimierung. Zwischen 17 und 22 Uhr liegt Ihr Verbrauch typischerweise bei 2-4 kW (Kochen, Beleuchtung, Unterhaltung, Wärmepumpe). Ohne Speicher müssten Sie diese 10-20 kWh täglich aus dem Netz beziehen. Mit Speicher und HEMS deckt der Akku den gesamten Bedarf. Das HEMS dosiert die Entladung dabei: Läuft die Wärmepumpe, erhöht sich die Entladeleistung auf 4-5 kW. Schaltet sie ab, drosselt das System auf 1-2 kW. So bleibt Speicherkapazität für unvorhergesehene Verbraucher übrig.

Die Notstromreserve-Strategie hält permanent 10-20 Prozent SOC zurück. Bei einem 10-kWh-Speicher sind das 1-2 kWh, die ausschließlich für Stromausfälle reserviert bleiben. Im Normalbetrieb wird dieser Bereich nie angezapft. Fällt das Netz aus, schaltet das System in den Inselbetrieb und versorgt priorisierte Verbraucher aus dieser Reserve plus laufender PV-Erzeugung. Sie können die Reservegröße selbst festlegen: 10 Prozent reichen für wenige Stunden Grundversorgung (Kühlschrank, Licht), 30 Prozent ermöglichen einen Tag Überbrückung auch ohne Sonne.

Prognosebasiertes Batteriemanagement

Die Wettervorhersage ist der Schlüssel zur optimalen Speicherstrategie. Ein HEMS bezieht täglich aktuelle Daten vom Deutschen Wetterdienst (DWD), OpenWeather oder ähnlichen Diensten und berechnet daraus die erwartete PV-Erzeugung für die nächsten 24-48 Stunden. Die Genauigkeit dieser Prognosen liegt bei etwa 80-90 Prozent für den Folgetag und 70-80 Prozent für zwei Tage im Voraus. Aus dieser Prognose leitet das System ab, wie viel Speicherkapazität am Abend freigehalten werden muss und wann gegebenenfalls Netzstrom nachgeladen werden sollte.

Die Verbrauchsprognose basiert auf historischen Daten der letzten Wochen und Monate. Das HEMS erkennt Muster: Montag bis Freitag ist Ihr Verbrauch zwischen 8 und 17 Uhr niedrig (0,5-1 kW Grundlast), weil niemand zu Hause ist. Abends steigt er auf 3-4 kW. Am Wochenende verteilt sich der Verbrauch gleichmäßiger über den Tag (1,5-2,5 kW). Im Winter läuft die Wärmepumpe zusätzlich, im Sommer nicht. Nach zwei bis drei Wochen Lernphase erreicht das System eine Prognosegenauigkeit von 85-95 Prozent für den Tagesverbrauch.

Ein konkretes Beispiel zeigt, wie prognosebasiertes Management funktioniert. Montag um 18 Uhr prüft das HEMS die Wettervorhersage für Dienstag. Szenario A: Es wird sonnig mit 7-8 Stunden Vollsonne erwartet. Die PV-Anlage wird 40-45 kWh erzeugen, der Verbrauch liegt bei geschätzten 12 kWh. Das HEMS entscheidet: Der Speicher wird Montag Abend normal bis auf 15 Prozent SOC entladen, denn Dienstag kommt reichlich PV-Nachschub. Ab 9 Uhr wird der Speicher dann mit dem ersten PV-Überschuss wieder gefüllt.

Szenario B: Für Dienstag ist durchgehend Regen und Bewölkung gemeldet. Die PV-Anlage wird nur 8-12 kWh erzeugen, deutlich weniger als der Verbrauch von 12 kWh. Das HEMS entscheidet anders: Montag Abend wird der Speicher nur bis 60 Prozent SOC entladen, die restlichen 6 kWh bleiben gespeichert. Zusätzlich lädt das System Dienstag Nacht bei günstigem Tarif (22-6 Uhr, 18 Cent/kWh) weitere 4 kWh nach, sodass der Speicher Dienstag früh bei 85 Prozent SOC steht. Diese 8,5 kWh decken zusammen mit den 10 kWh PV-Ertrag den Tagesbedarf weitgehend ab, nur 1-2 kWh müssen teuer nachbezogen werden.

Die dynamische Anpassung erfolgt während des Tages. Ändert sich das Wetter überraschend – etwa bei plötzlich aufziehenden Wolken – korrigiert das HEMS seine Strategie binnen Minuten. War ursprünglich geplant, den Speicher mittags auf 90 Prozent zu laden, aber die PV-Erzeugung liegt 40 Prozent unter der Prognose, reduziert das System die Entladung am Nachmittag und schaltet früher auf Netzbezug um. So bleibt Speicherkapazität für den Abend erhalten, wenn Netzstrom teurer ist.

Autarkiegrad mit HEMS und Speicher

Der Autarkiegrad beschreibt, welcher Anteil Ihres Strombedarfs durch selbst erzeugte und gespeicherte Energie gedeckt wird. Ohne Speicher erreichen typische PV-Anlagen 25-35 Prozent Autarkie, da Sie nachts und in den Morgenstunden auf Netzstrom angewiesen sind. Mit einem Batteriespeicher steigt die Autarkie auf 50-60 Prozent. Erst mit HEMS-Steuerung werden 65-75 Prozent möglich, weil das System vorausschauend plant und den Speicher optimal nutzt.

Die 10-15 Prozentpunkte Steigerung durch HEMS entstehen durch mehrere Effekte. Erstens verhindert das HEMS unnötigen Netzbezug in Zeiten, in denen der Speicher noch Kapazität hat, aber die werksseitige Steuerung bereits Netzstrom zukauft. Zweitens lädt das System bei dynamischen Tarifen gezielt in günstigen Stunden nach, wenn die PV-Erzeugung nicht ausreicht. Drittens koordiniert es Speicher mit anderen Verbrauchern wie Wärmepumpe und Wallbox, sodass Lastspitzen aus dem Speicher gedeckt werden statt aus dem Netz. Viertens vermeidet es Speicherverluste durch zu häufiges Laden und Entladen bei kleinen Leistungen.

Die folgende Tabelle zeigt typische Autarkiegrade für verschiedene Systemkonfigurationen, jeweils mit und ohne HEMS-Steuerung:

PV-Größe Speicher-Größe Verbrauch Autarkie ohne HEMS Autarkie mit HEMS
5 kWp 5 kWh 3.500 kWh/Jahr 55% 68%
7 kWp 7 kWh 4.500 kWh/Jahr 60% 73%
10 kWp 10 kWh 5.500 kWh/Jahr 62% 75%
8 kWp 10 kWh 6.000 kWh/Jahr 58% 70%

HEMS kann den Autarkiegrad um 10-15 Prozentpunkte steigern durch bessere Prognosen und vorausschauende Steuerung.

Die Werte in der Tabelle basieren auf Durchschnittshaushalten in Deutschland mit typischem Verbrauchsprofil. Die Steigerung durch HEMS fällt besonders deutlich aus, wenn Sie zusätzlich einen dynamischen Stromtarif nutzen oder ein Elektrofahrzeug laden. In diesen Fällen kann das HEMS flexible Lasten in Zeiten verschieben, in denen Speicher oder PV-Anlage Kapazität haben. Ein Haushalt mit 8 kWp PV, 10 kWh Speicher und E-Auto kann mit HEMS eine Autarkie von 75-80 Prozent erreichen, während ohne HEMS nur 55-60 Prozent möglich wären.

Die Grenzen der Autarkie liegen bei etwa 80-85 Prozent, selbst mit perfektem HEMS. Im Winter von November bis Februar reicht die PV-Erzeugung nicht aus, um Speicher und Direktverbrauch zu decken. An bewölkten Dezembertagen erzeugt eine 10-kWp-Anlage vielleicht 5 kWh, während der Verbrauch bei 20 kWh liegt. Auch der größte Speicher ist nach zwei Tagen aufgebraucht. Um die letzten 15-20 Prozent zu erreichen, bräuchten Sie entweder eine deutlich überdimensionierte PV-Anlage (15+ kWp für 5.500 kWh Jahresverbrauch) oder saisonale Speicher mit 30+ kWh Kapazität, was wirtschaftlich wenig sinnvoll ist.

Die Einflussfaktoren auf den Autarkiegrad sind vielfältig. Ihr Verbrauchsprofil spielt die größte Rolle: Sind Sie tagsüber zu Hause und verbrauchen viel Strom bei Sonnenschein, steigt die Autarkie. Arbeiten beide Partner außer Haus und der Hauptverbrauch fällt abends an, brauchen Sie einen größeren Speicher für hohe Autarkie. Die PV-Ausrichtung beeinflusst die Erzeugungskurve: Ost-West-Anlagen liefern morgens und abends mehr Strom, was direkten Eigenverbrauch erhöht. Süd-Anlagen konzentrieren die Erzeugung mittags, was den Speicher begünstigt. Ihr Standort bestimmt die jährlichen Sonnenstunden: In Süddeutschland erreichen Sie mit gleicher Anlage 8-12 Prozentpunkte höhere Autarkie als in Norddeutschland.

Kompatibilität mit Speichersystemen

Nicht jeder Batteriespeicher lässt sich mit jedem HEMS kombinieren. Die Kompatibilität hängt von der verwendeten Kommunikationsschnittstelle, dem Steuerungsprotokoll und teilweise von vertraglichen Einschränkungen der Hersteller ab. Grundsätzlich gilt: Je offener das System, desto einfacher die Integration eines externen HEMS. Geschlossene Systeme mit proprietären Schnittstellen sind oft nur mit dem herstellereigenen HEMS nutzbar.

Unterstützte Speichermarken

Die Kompatibilität zwischen HEMS und Batteriespeicher variiert erheblich. Einige Hersteller wie SENEC, E3/DC und Sonnen bieten Komplettsysteme mit integriertem HEMS an. Diese Systeme funktionieren hervorragend, binden Sie aber an einen Anbieter. Andere Hersteller wie BYD, LG Chem oder Pylontech setzen auf offene Standards und ermöglichen die Integration mit verschiedenen HEMS-Lösungen. Die folgende Übersicht zeigt die wichtigsten Speichersysteme und ihre HEMS-Kompatibilität:

Hersteller Modelle Kapazität Kommunikation HEMS-Kompatibilität Preis
BYD Battery-Box Premium HVS/HVM 5-22 kWh CAN-Bus, Modbus Hoch 5.000-15.000 €
LG Chem RESU 7H/10H/13 7-13 kWh CAN-Bus Hoch 5.500-9.000 €
SENEC Home V3 hybrid 5-15 kWh Proprietär (integriert) Sehr hoch 8.000-15.000 €
Sonnen sonnenBatterie 10 5,5-22 kWh Proprietär Hoch (eigenes HEMS) 10.000-20.000 €
E3/DC S10 E Pro 6,5-19,5 kWh Proprietär Sehr hoch 12.000-20.000 €
Varta pulse neo 6,5-13 kWh Modbus TCP Mittel 6.500-11.000 €
Tesla Powerwall 2/3 13,5 kWh Gateway (proprietär) Mittel 10.000-12.000 €
RCT Power Power Battery 5,1-22,8 kWh Modbus TCP Hoch 6.000-14.000 €
Fronius Solar Battery 4,5-12 kWh Modbus TCP Hoch 5.500-10.000 €
Huawei LUNA2000 5-30 kWh Modbus TCP Mittel 5.000-18.000 €
Pylontech US2000/US3000 2,4 kWh (modular) CAN-Bus Hoch 800-1.200 €/Modul
Kostal PIKO Battery 4-12 kWh Modbus TCP Hoch 4.500-9.000 €

Die Kompatibilitätsbewertung berücksichtigt mehrere Faktoren: Offenheit der Schnittstelle, Verfügbarkeit von Dokumentation, Erfahrungen aus der Praxis und herstellerseitige Unterstützung für Drittsysteme.

Die BYD Battery-Box gehört zu den am weitesten verbreiteten Speichern im HEMS-Umfeld. Mit CAN-Bus und Modbus-Unterstützung lässt sie sich mit praktisch jedem HEMS verbinden. Die modulare Bauweise erlaubt Kapazitätserweiterungen von 5 auf 22 kWh durch Hinzufügen weiterer Module. Viele Installateure bevorzugen BYD wegen der guten Verfügbarkeit und der langjährigen Markterfahrung. Die Preise von 5.000 bis 15.000 Euro je nach Kapazität sind wettbewerbsfähig.

LG Chem RESU-Speicher punkten mit kompakter Bauweise und hoher Energiedichte. Die 10-kWh-Version misst nur 45 × 48 × 22 cm und wiegt 97 kg, was die Wandmontage erleichtert. Die CAN-Bus-Schnittstelle funktioniert zuverlässig mit den meisten HEMS-Systemen. Einzige Einschränkung: LG hat die Speicherproduktion 2023 eingestellt, Restbestände sind aber noch verfügbar und werden weiter supportet.

SENEC Home V3 hybrid ist ein Komplettsystem mit integriertem HEMS. Sie kaufen Speicher und Steuerung aus einer Hand, was Abstimmungsprobleme ausschließt. Das System bietet hervorragende Notstromfähigkeit mit automatischer Umschaltung in unter 20 Millisekunden. Die Cloud-Anbindung ermöglicht Fernwartung und Software-Updates. Der Nachteil: Sie sind an SENEC gebunden und können kein alternatives HEMS nutzen. Für Nutzer, die ein Rundum-Sorglos-Paket wünschen, ist das jedoch ideal.

Sonnen sonnenBatterie gehört zur Premiumklasse mit Preisen von 10.000 bis 20.000 Euro. Das integrierte HEMS ist ausgereift und bietet Zusatzfunktionen wie die sonnenCommunity (Stromhandel zwischen Mitgliedern) und sonnenFlat (Reststrom-Flatrate). Die Notstromfunktion arbeitet unterbrechungsfrei. Wie bei SENEC ist die Systemoffenheit eingeschränkt, dafür erhalten Sie ein durchdachtes Gesamtpaket mit exzellentem Support.

E3/DC S10 E Pro richtet sich an anspruchsvolle Nutzer mit komplexen Anforderungen. Das System kann Dreiphasen-Notstrom liefern, was auch Wärmepumpen und Wallboxen im Inselbetrieb versorgt. Die Wallbox ist direkt integrierbar. Das proprietäre HEMS bietet umfangreiche Einstellmöglichkeiten und detaillierte Analysen. Mit 12.000 bis 20.000 Euro ist es das teuerste System im Vergleich, bietet aber auch die höchste Funktionalität.

Pylontech-Module sind die kostengünstigste Lösung für Selbstbauer und technikaffine Nutzer. Für 800 bis 1.200 Euro pro 2,4-kWh-Modul stellen Sie Ihren Speicher nach Bedarf zusammen. Die CAN-Bus-Schnittstelle ist offen dokumentiert, was die Integration in HEMS-Lösungen wie Home Assistant oder EVCC erleichtert. Allerdings benötigen Sie zusätzlich einen kompatiblen Batterie-Wechselrichter wie Victron MultiPlus oder Goodwe. Für technisch versierte Anwender mit Zeit und Interesse eine ausgezeichnete Option.

DC-gekoppelt vs. AC-gekoppelt

Batteriespeicher werden entweder DC-seitig (Gleichstrom) oder AC-seitig (Wechselstrom) an Ihre PV-Anlage angeschlossen. Beide Varianten haben spezifische Vor- und Nachteile, die Ihre HEMS-Steuerung beeinflussen. DC-gekoppelte Speicher sind direkt mit dem PV-Wechselrichter verbunden. Der Solarstrom fließt als Gleichstrom in den Speicher, ohne vorher in Wechselstrom gewandelt zu werden. Das spart Umwandlungsverluste von etwa 3-5 Prozent und erhöht den Gesamtwirkungsgrad auf 93-96 Prozent. Diese Systeme sind kompakter, da Wechselrichter und Batteriemanagement in einem Gerät integriert sind.

AC-gekoppelte Speicher haben ihren eigenen Batterie-Wechselrichter und werden hinter dem PV-Wechselrichter ins Hausnetz eingebunden. Der Solarstrom wird zunächst in Wechselstrom gewandelt, zum Speicher geleitet und dort wieder in Gleichstrom gewandelt. Das kostet zwar 5-8 Prozent Wirkungsgrad, bietet aber Flexibilität: Sie können jeden beliebigen Speicher an jede vorhandene PV-Anlage anschließen. Besonders beim Nachrüsten älterer Anlagen ist AC-Kopplung oft die einzige praktikable Option.

Für das HEMS macht der Unterschied wenig aus. Beide Systeme kommunizieren über die gleichen Protokolle (Modbus, CAN-Bus) und lassen sich identisch steuern. DC-gekoppelte Systeme reagieren tendenziell etwas schneller, da weniger Komponenten im Signalweg liegen. AC-gekoppelte Systeme ermöglichen leichter die Einbindung mehrerer Speicher, da jeder Speicher unabhängig angeschlossen wird. Für Neuanlagen empfiehlt sich DC-Kopplung wegen des höheren Wirkungsgrads. Beim Nachrüsten oder bei bereits vorhandener PV-Anlage ist AC-Kopplung meist die praktischere Wahl.

Batterieschutz und Lebensdauer

Lithium-Ionen-Batterien altern durch jeden Lade- und Entladezyklus. Die Hersteller garantieren typischerweise 10 Jahre oder 10.000 Vollzyklen, je nachdem was zuerst eintritt. Bei unsachgemäßer Nutzung – ständige Vollladung, häufige Tiefentladung, Betrieb bei extremen Temperaturen – verkürzt sich die Lebensdauer auf 8 Jahre oder weniger. Ein HEMS mit Batterieschutzfunktionen kann die Lebensdauer um zwei bis drei Jahre verlängern, indem es schädliche Betriebszustände vermeidet.

Wie HEMS die Batterie schont

Ein durchdachtes Batteriemanagement berücksichtigt sechs wesentliche Schutzfunktionen, die alle automatisch und ohne Ihr Zutun wirken. Diese Funktionen laufen kontinuierlich im Hintergrund und passen die Lade- und Entladestrategien an die aktuelle Situation an. Der Tiefentladungsschutz verhindert, dass der State of Charge unter 10-20 Prozent fällt. Moderne Lithium-Ionen-Zellen vertragen gelegentliche Tiefentladungen, aber jeder Zyklus unter 10 Prozent SOC kostet überproportional viel Lebensdauer. Das HEMS hält deshalb eine Mindestladung und bezieht lieber kurzzeitig Netzstrom, als die Batterie zu stark zu entladen.

Das Temperaturmanagement passt Ladeleistung und Entladeleistung an die Zellentemperatur an. Lithium-Ionen-Zellen arbeiten optimal zwischen 15 und 25°C. Bei Temperaturen über 35°C reduziert das HEMS die Ladeleistung von nominal 5 kW auf 3 kW, um Überhitzung zu vermeiden. Bei Temperaturen unter 5°C wird ebenfalls gedrosselt, da kalte Zellen höheren Innenwiderstand haben und schneller altern, wenn sie mit voller Leistung geladen werden. Im Winter heizt das HEMS den Speicher gegebenenfalls vor, bevor der Ladevorgang startet.

Die Zyklenbegrenzung verhindert mehr als einen Vollzyklus pro Tag. Ein Vollzyklus bedeutet: Der Speicher wird von 20 auf 90 Prozent geladen (70 Prozentpunkte) und wieder auf 20 Prozent entladen. Bei einem 10-kWh-Speicher entspricht das 7 kWh nutzbarer Energie. Würden Sie den Speicher mehrfach täglich voll durchfahren – etwa mittags laden, abends entladen, nachts wieder laden, morgens entladen – kämen Sie auf zwei Vollzyklen pro Tag oder 730 pro Jahr. Bei garantierten 10.000 Zyklen wäre die Batterie nach 14 Jahren erschöpft. Das klingt akzeptabel, aber die Alterung verläuft nicht linear. Nach 5.000 Zyklen hat die Kapazität bereits 20-30 Prozent verloren. Das HEMS verhindert unnötige Zusatzzyklen durch geschicktes Timing.

Sanftes Laden begrenzt den Ladestrom auf 0,3-0,5 C-Rate. Die C-Rate beschreibt das Verhältnis von Ladestrom zu Kapazität. Bei einem 10-kWh-Speicher entspricht 1 C einem Ladestrom von 10 kW (volle Ladung in einer Stunde). Mit 0,5 C lädt der Speicher mit 5 kW in zwei Stunden. Das HEMS wählt je nach Situation: Ist reichlich Zeit und der Speicher nicht dringend benötigt, lädt das System mit 0,3 C (3 kW). Das schont die Zellen maximal. Wird der Speicher schnell für eine Lastspitze benötigt, erhöht das HEMS auf 0,5 C. Schnellladung mit 1 C oder mehr wird grundsätzlich vermieden, selbst wenn die Batterie es technisch erlauben würde.

Kalenderdegradation minimieren bedeutet, den Langzeit-SOC bei 50-60 Prozent zu halten. Lithium-Ionen-Zellen altern auch ohne Nutzung, besonders wenn sie dauerhaft voll oder leer gelagert werden. Ein auf 100 Prozent geladener Speicher verliert pro Jahr etwa 3-5 Prozent Kapazität, auch wenn er nie genutzt wird. Bei 50 Prozent Ladezustand sinkt die Kalenderdegradation auf 1-2 Prozent jährlich. Das HEMS plant deshalb: Wenn Sie eine Woche im Urlaub sind und der Speicher nicht benötigt wird, hält das System ihn bei 50-60 Prozent SOC statt ihn vollzuladen.

Vollladung vermeiden heißt, regelmäßig nur bis 80-90 Prozent zu laden. Die letzten 10-20 Prozent belasten die Zellen überproportional, weil die Spannung am oberen Ende stark ansteigt. Das HEMS lädt den Speicher täglich nur auf 80-85 Prozent, was für die Nacht völlig ausreicht. Nur wenn für den nächsten Tag wenig Sonne prognostiziert ist oder Sie explizit Notstromkapazität wünschen, lädt das System auf 95-100 Prozent. Diese Strategie reduziert die Alterung um 15-20 Prozent gegenüber täglicher Vollladung.

Lebensdauer mit und ohne HEMS

Die Zahlen sprechen für sich: Ohne HEMS erreichen Batteriespeicher in der Praxis 8-12 Jahre Lebensdauer, abhängig von Hersteller, Nutzungsintensität und klimatischen Bedingungen. Mit HEMS und aktivierten Schutzfunktionen steigt die Lebensdauer auf 10-15 Jahre. Das entspricht einer Verlängerung um 20-30 Prozent. Die Hauptgründe sind 20 Prozent weniger Zyklen durch optimierte Nutzung, 15 Prozent längere Lebensdauer durch schonende Ladekurven und vermiedene Extremzustände (Tiefentladung, Überladung, Hitze).

Konkrete Statistiken von Speicherherstellern zeigen: BYD gibt für ihre Battery-Box Premium 10 Jahre Garantie oder 10.000 Zyklen. In der Praxis werden ohne HEMS etwa 6.500-7.500 Zyklen erreicht, da viele Nutzer den Speicher nicht optimal behandeln. Mit HEMS steigt die Zyklenanzahl auf 8.500-9.500, weil die Schutzfunktionen greifen. LG Chem RESU-Speicher garantieren 10 Jahre, erreichen ohne HEMS oft nur 8-9 Jahre bei täglicher Nutzung, mit HEMS 11-13 Jahre.

Die Garantiebedingungen verschiedener Hersteller unterscheiden sich erheblich. SENEC garantiert 10.000 Zyklen oder 20 Jahre, allerdings mit Kapazitätsverlust-Klausel: Nach 10 Jahren darf die Restkapazität auf 80 Prozent gesunken sein. E3/DC garantiert 10 Jahre mit 90 Prozent Restkapazität, was deutlich großzügiger ist. Tesla Powerwall garantiert 10 Jahre unbegrenzte Zyklen, solange die Restkapazität über 70 Prozent bleibt. Sonnen bietet 10 Jahre Garantie mit Option auf Verlängerung um weitere 5 Jahre gegen Aufpreis. Die meisten Hersteller koppeln Garantieansprüche an ordnungsgemäße Installation und Betrieb – ein HEMS hilft, diese Bedingungen einzuhalten.

Notstromfunktion und Schwarzstartfähigkeit

Bei Netzausfall schaltet ein notstromfähiges System innerhalb von Millisekunden bis Sekunden in den Inselbetrieb um. Ihr Haushalt wird dann aus Batteriespeicher und PV-Anlage versorgt, komplett unabhängig vom öffentlichen Netz. Das HEMS übernimmt dabei die zentrale Koordination: Es entscheidet, welche Verbraucher Strom erhalten, wie die verfügbare Energie auf diese verteilt wird und wann der Speicher wieder aufgeladen werden muss.

Die automatische Umschaltung erfolgt unterschiedlich schnell je nach System. USV-Qualität (Unterbrechungsfreie Stromversorgung) bedeutet Umschaltung in unter 20 Millisekunden. Computer, Server und empfindliche Elektronik merken den Netzausfall nicht einmal. Systeme mit USV-Funktion sind E3/DC S10 E Pro und Sonnen sonnenBatterie. Sie arbeiten permanent im sogenannten Online-Modus, bei dem der Speicher durchgehend die Stromversorgung puffert. Standard-Umschaltung dauert 1-3 Sekunden. In dieser Zeit geht die Stromversorgung kurz verloren, Computer fahren herunter und Beleuchtung erlischt kurz. Die meisten Systeme einschließlich BYD mit kompatiblem Wechselrichter arbeiten in diesem Bereich. Für Privathaushalte ist das völlig ausreichend.

Der Inselbetrieb aktiviert sich von selbst. Das HEMS erkennt den Netzausfall anhand der fehlenden Netzspannung, trennt Ihr Hausnetz vom öffentlichen Netz (aus Sicherheitsgründen zwingend erforderlich) und startet den Batterie-Wechselrichter im Inselmodus. Dieser erzeugt nun selbst die 230-Volt-Wechselspannung mit 50 Hz Frequenz. Läuft Ihre PV-Anlage, wird der Solarstrom direkt genutzt. Reicht er nicht aus, entlädt das System den Speicher. Bei bewölktem Himmel und leerem Speicher müssen Sie Verbraucher abschalten oder auf Netzzurückkehr warten.

Die Priorisierung von Verbrauchern erfolgt nach einer von Ihnen festgelegten Hierarchie. Das HEMS steuert schaltbare Steckdosen und Verbraucher über Relais oder Smart-Plugs. Im Notstrom werden nur Verbraucher der Prioritätsstufen 1-3 versorgt, Stufen 4-5 werden automatisch abgeschaltet. Priorität 1 umfasst Kühlschrank, Heizung und Licht – die Grundversorgung für mehrere Tage. Ein moderner Kühlschrank benötigt 50-100 Watt im Durchschnitt, Heizungssteuerung und Umwälzpumpen 80-150 Watt, LED-Beleuchtung 30-50 Watt. Zusammen etwa 200-300 Watt oder 5-7 kWh pro Tag.

Priorität 2 deckt Internet-Router, Telefon und Mobiltelefon-Ladung ab – die Kommunikation nach außen. Router benötigen 10-20 Watt, DECT-Telefone 5-10 Watt, Smartphone-Laden 10-15 Watt. Das erhöht den Verbrauch um etwa 1 kWh täglich. Priorität 3 umfasst Laptop, TV und Radio für Komfort und Information. Ein Laptop zieht 30-60 Watt, ein moderner LED-TV 50-100 Watt. Bei mäßiger Nutzung kommen 2-3 kWh täglich hinzu. Insgesamt benötigen Prioritäten 1-3 etwa 8-11 kWh pro Tag.

Priorität 4 beinhaltet Waschmaschine, Geschirrspüler und Trockner – verschiebbare Lasten, die bis zur Netzzurückkehr warten können. Diese Geräte ziehen jeweils 1-3 kW und würden den Speicher innerhalb von Stunden leeren. Von Priorität 5 sind E-Auto, Sauna und Klimaanlage ausgeschlossen, da ihr Verbrauch zu hoch ist. Ein E-Auto benötigt 20-60 kWh für eine Vollladung, eine Sauna zieht 6-9 kW Dauerleistung. Bei einem 10-kWh-Speicher wäre er nach zwei Stunden Sauna leer.

Das HEMS berechnet kontinuierlich die verbleibende Notstromzeit. Mit einem 10-kWh-Speicher bei 80 Prozent Ladezustand (8 kWh verfügbar) und einem Verbrauch von 300 Watt (Priorität 1) hält der Speicher etwa 26 Stunden. Kommt PV-Erzeugung hinzu, verlängert sich die Zeit deutlich. An einem sonnigen Tag mit 30 kWh PV-Ertrag können Sie praktisch unbegrenzt im Inselbetrieb bleiben, selbst mit höherem Verbrauch. An bewölkten Tagen ohne Sonne und mit leerem Speicher endet der Notstrom nach wenigen Stunden.

Wirtschaftlichkeit: Lohnt sich die Kombination?

Die Investition in ein HEMS zusätzlich zu einem Batteriespeicher will kalkuliert sein. Die Kosten liegen zwischen null Euro (wenn das HEMS bereits im Speicher integriert ist) und 2.000 Euro (Nachrüstung bei älteren Systemen). Die jährlichen Einsparungen durch besseres Batteriemanagement betragen typischerweise 100-250 Euro, was zu Amortisationszeiten von 5-10 Jahren führt. Allerdings bringen HEMS weitere Vorteile wie verlängerte Batterielebensdauer, Notstromfunktionen und Komfortgewinn, die sich nicht direkt in Euro beziffern lassen.

Zusatzkosten für HEMS bei vorhandenem Speicher

Wenn Sie bereits einen Batteriespeicher besitzen und ein externes HEMS nachrüsten möchten, liegen die Kosten zwischen 800 und 2.000 Euro. Ein reines Software-HEMS wie EVCC oder Home Assistant kostet 0-300 Euro für die Software selbst, benötigt aber einen Computer oder Raspberry Pi (50-150 Euro), Schnittstellen-Hardware (100-300 Euro) und technisches Know-how. Für die meisten Nutzer ist diese Option zu komplex.

Hardware-HEMS zum Nachrüsten kosten 800-1.500 Euro für das Gerät selbst. Hersteller wie Loxone, SMA Sunny Home Manager oder Solare Datensysteme bieten fertige Lösungen, die mit vielen Speichersystemen kommunizieren können. Die Installation durch einen Elektriker schlägt mit weiteren 300-600 Euro zu Buche, da Kommunikationsschnittstellen eingerichtet, Messgeräte installiert und das System konfiguriert werden muss. Gesamtkosten für professionelle Nachrüstung: 1.100-2.100 Euro.

Wenn Ihr Speicher bereits ein integriertes HEMS hat, entstehen keine Zusatzkosten. Systeme von E3/DC, SENEC, Sonnen und RCT Power bringen werksseitig ausgereifte Energiemanagement-Funktionen mit. Sie müssen lediglich die gewünschten Strategien (PV-Überschuss, Notstromreserve, dynamischer Tarif) in der App oder im Web-Interface konfigurieren. Bei Nachrüstung älterer Speicher ohne offene Schnittstellen können die Kosten auf 2.000-3.000 Euro steigen, wenn zusätzliche Hardware für die Kommunikation benötigt wird. In solchen Fällen lohnt sich die Nachrüstung wirtschaftlich oft nicht.

Einsparungen durch besseres Batteriemanagement

Die konkreten Einsparungen hängen von Ihrer Anlagengröße, Ihrem Verbrauch und den genutzten Tarifen ab. Eine realistische Beispielrechnung zeigt die Effekte: Haushalt mit 10 kWp PV-Anlage, 10 kWh Batteriespeicher und 5.000 kWh Jahresverbrauch. Ohne HEMS erreichen Sie 60 Prozent Autarkie, das entspricht 3.000 kWh Eigenverbrauch. Die restlichen 2.000 kWh beziehen Sie aus dem Netz zu durchschnittlich 30 Cent pro kWh. Ihre jährlichen Netzbezugskosten betragen 600 Euro. Der Speicher wird nicht optimal genutzt, da er manchmal halb voll bleibt, wenn günstige Nachtpreise verfügbar wären, oder zu stark entladen wird, obwohl morgen wenig Sonne kommt.

Mit HEMS steigt die Autarkie auf 72 Prozent, entsprechend 3.600 kWh Eigenverbrauch. Der Netzbezug sinkt auf 1.400 kWh. Bei dynamischem Tarif liegt Ihr durchschnittlicher Bezugspreis nur noch bei 25 Cent pro kWh, da das HEMS in günstigen Stunden nachlädt. Ihre jährlichen Netzbezugskosten sinken auf 350 Euro. Ersparnis: 250 Euro pro Jahr. Bei HEMS-Kosten von 1.200 Euro (Nachrüstung) ergibt sich eine Amortisationszeit von knapp 5 Jahren.

Zusatznutzen sind schwer zu beziffern, aber real. Die verlängerte Batterielebensdauer um 2-3 Jahre bedeutet: Statt nach 10 Jahren einen neuen Speicher für 8.000-12.000 Euro zu kaufen, hält Ihrer 12-13 Jahre. Auf die Gesamtlaufzeit gerechnet sparen Sie 2.000-3.000 Euro. Die Notstromfunktion hat keinen direkten Geldwert, bietet aber Sicherheit bei den 1-3 Stromausfällen pro Jahr, die in Deutschland regional auftreten. Der Komfortgewinn durch die automatische Steuerung ohne manuelles Eingreifen ist subjektiv, aber für viele Nutzer ein Kaufgrund.

Die Gesamtrechnung über 15 Jahre Betriebszeit: 250 Euro jährliche Einsparung × 15 Jahre = 3.750 Euro plus 2.500 Euro durch längere Batterielebensdauer ergibt 6.250 Euro Gesamtnutzen. Abzüglich 1.200 Euro HEMS-Kosten bleiben 5.050 Euro Nettogewinn. Der Return on Investment liegt bei über 400 Prozent. Selbst bei konservativer Rechnung mit nur 150 Euro jährlicher Einsparung amortisiert sich das HEMS nach 8 Jahren und bringt über die Gesamtlaufzeit einen positiven Ertrag.

Fazit: Batteriespeicher erreichen mit HEMS ihr volles Potenzial

Ein Batteriespeicher ohne HEMS ist wie ein Sportwagen mit Automatik-Getriebe im Eco-Modus – er funktioniert, aber das Potenzial bleibt ungenutzt. Mit HEMS-Steuerung steigt Ihr Autarkiegrad um 10-15 Prozentpunkte, die Batterielebensdauer verlängert sich um 20-30 Prozent und Sie sparen jährlich 150-300 Euro durch optimiertes Laden und Entladen. Die prognosebasierte Steuerung berücksichtigt Wettervorhersagen, Strompreise und Ihr individuelles Verbrauchsverhalten, was mit manueller Steuerung unmöglich wäre.

Die Kompatibilität zwischen HEMS und Speicher ist bei modernen Systemen hervorragend. Offene Standards wie Modbus TCP ermöglichen die Integration praktisch aller gängigen Speichermarken. All-in-One-Lösungen von SENEC, E3/DC oder Sonnen bieten Rundum-Sorglos-Pakete mit integriertem HEMS. Für Selbstbauer und technikaffine Nutzer eröffnen modulare Systeme wie Pylontech mit Open-Source-HEMS maximale Flexibilität.

Die Wirtschaftlichkeit überzeugt bei Amortisationszeiten von 5-8 Jahren und einer Gesamtlaufzeit von 12-15 Jahren. Der Zusatznutzen durch Notstromfunktion, verlängerte Batterielebensdauer und Komfortgewinn rechtfertigt die Investition auch jenseits der reinen Kostenrechnung. Wer heute einen Batteriespeicher installiert, sollte ein HEMS von Anfang an einplanen – das System lernt mit jeder Woche besser, Ihre Muster zu erkennen und die Steuerung zu optimieren.

Sie möchten ein HEMS mit Batteriespeicher installieren oder Ihr bestehendes System nachrüsten? Auf dezentralo.de finden Sie qualifizierte Fachbetriebe, die Sie beraten, welche Kombination für Ihre Anlagengröße und Ihren Verbrauch optimal ist. Lassen Sie sich ein Angebot erstellen und vergleichen Sie verschiedene Systeme – die Investition zahlt sich über Jahre aus.

Häufig gestellte Fragen

Ein HEMS steigert den Autarkiegrad um typischerweise 10-15 Prozentpunkte. Ohne HEMS erreichen Batteriespeicher 50-60 Prozent Autarkie, mit HEMS sind 65-75 Prozent möglich. Die Steigerung entsteht durch vorausschauende Planung basierend auf Wetterprognosen, optimiertes Laden in günstigen Tarifzeiten und bessere Koordination mit anderen Verbrauchern.

Bei einem Haushalt mit 5.000 kWh Jahresverbrauch bedeuten 15 Prozentpunkte mehr Autarkie etwa 750 kWh zusätzlichen Eigenverbrauch pro Jahr – das spart bei 35 Cent Strombezugspreis rund 260 Euro jährlich.

Die meisten modernen Batteriespeicher unterstützen offene Kommunikationsprotokolle wie Modbus TCP oder CAN-Bus und lassen sich problemlos mit HEMS-Systemen verbinden. Besonders kompatibel sind BYD Battery-Box, LG Chem RESU, Fronius Solar Battery, RCT Power und Kostal PIKO Battery.

All-in-One-Systeme wie SENEC Home V3, Sonnen sonnenBatterie und E3/DC S10 haben ein HEMS bereits werksseitig integriert. Pylontech-Module bieten als modulare Lösung maximale Flexibilität für Selbstbauer. Eine detaillierte Kompatibilitätsliste mit Preisen finden Sie im Artikel oben.

Ein HEMS verlängert die Batterielebensdauer um 20-30 Prozent durch sechs Schutzfunktionen: Tiefentladungsschutz (nie unter 10-20% SOC), Temperaturmanagement (Leistungsanpassung bei Hitze/Kälte), Zyklenbegrenzung (max. 1 Vollzyklus/Tag), sanftes Laden (0,3-0,5 C-Rate), Minimierung der Kalenderdegradation (Langzeit-SOC bei 50-60%) und Vermeidung von Vollladungen (nur bis 80-85% statt 100%).

Praktisch bedeutet das: Statt 8-12 Jahren ohne HEMS hält Ihr Speicher 10-15 Jahre mit HEMS. Das spart 2.000-3.000 Euro für einen vorzeitigen Speichertausch.

Die Nachrüstung eines HEMS bei vorhandenem Batteriespeicher kostet 800-2.000 Euro. Hardware-HEMS wie SMA Sunny Home Manager oder Loxone schlagen mit 800-1.500 Euro zu Buche, die Installation durch einen Elektriker kostet weitere 300-600 Euro. Gesamtkosten liegen typischerweise bei 1.100-2.100 Euro.

Wenn Ihr Speicher bereits ein integriertes HEMS hat (SENEC, E3/DC, Sonnen), entstehen keine Zusatzkosten – Sie müssen nur die Funktionen in der App aktivieren. Die Amortisationszeit liegt bei 5-8 Jahren durch Einsparungen von 150-300 Euro jährlich.

Bei Netzausfall schaltet ein notstromfähiges System automatisch in den Inselbetrieb um – je nach System in unter 20 Millisekunden (USV-Qualität bei E3/DC, Sonnen) oder 1-3 Sekunden (Standard). Das HEMS übernimmt die Koordination: Es hält permanent 10-20% SOC als Reserve, priorisiert Verbraucher nach Wichtigkeit (Kühlschrank, Heizung, Licht = Priorität 1) und berechnet die verbleibende Notstromzeit.

Mit einem 10-kWh-Speicher bei 80% Ladezustand und 300 W Grundlast (Priorität 1) überbrücken Sie etwa 26 Stunden. Mit PV-Erzeugung verlängert sich die Zeit deutlich – an sonnigen Tagen praktisch unbegrenzt.

Redakteur dezentralo Martin Pierags

Redakteur: Martin Pierags

Gründer dezentralo

Über Martin Pierags

Martin Pierags ist Gründer von dezentralo und überzeugt: Die Energiewende braucht dezentrale Handwerksbetriebe, keine Plattform-Monopole. Mit dezentralo schafft er ein Verzeichnis, das Installateure unabhängig macht und dort sichtbar, wo Kunden heute entscheiden – in KI-Antworten, bei Google und in ihrer Region.

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